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Ehrung auf Vorschlag der Schüler: Gisela Ebeling, Lehrerin an der Realschule Bünde-Nord, wurde in Berlin mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet. Mit dabei war auch Klassensprecherin Ayse Korkmaz

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Ereignisreiche Tage liegen hinter Gisela Ebeling. Am vergangenen Montag wurde die Lehrerin der Realschule Bünde-Nord bei einer Feierstunde am Potsdamer Platz in Berlin mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet. Anschließend sah sich die Pädagogin einem riesigen Medieninteresse ausgesetzt und musste einen Interview-Marathon über sich ergehen lassen. "Es war unglaublich, wie viele Fernseh- und Radiosender sowie Journalisten der schreibenden Zunft da waren", war Ebeling völlig überrascht von dem medialen Echo. Hier ein Beispiel:

WDR 3 Lokalzeit - Film: https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/deutscher-lehrerpreis-nrw-100.html

Den Drang nach einer zünftigen Aftershow-Party verspürte die Bünderin nicht. "Ich war so platt am Abend, dass ich mir aus einem Supermarkt eine 0.2 Literflasche Rotwein und ein Thunfisch-Sandwich geholt habe. Das war meine Aftershow-Party."

1 Deutscher Lehrerpreis Gruppenbild

Gemeinsam mit den Mitschülern Blerta Cukovic und Maximilian Schröer aus der damaligen 10b war Ayse Korkmaz dafür verantwortlich, dass ihrer Klassenlehrerin die Auszeichnung zuteilwurde. "Wir haben die anderen Schüler angesprochen, ob wir Frau Ebeling für den Preis vorschlagen sollten. Da alle ja sagten, haben wir Zettel verteilt, auf denen jeder Stichpunkte aufschreiben konnte", erinnert sich Korkmaz. Daraus formulierte die Klassensprecherin einen Brief an ihre Lehrerin, den die Klasse zusammen mit Fotos von Klassenfahrten an die Jury schickte. "Wir hatten ja nichts zu verlieren", beschreibt Korkmaz launig die Aktion.

Das Verhältnis zu Ebeling beschreiben die Schüler als vom "ersten Tag an außergewöhnlich. Als wir hörten, dass sie unsere Klassenlehrerin werden würde, waren wir zunächst schockiert, da Frau Ebeling eher als streng galt", blickt Blerta Cukovic zurück. Diese Befürchtung bestätigte sich aber zum Glück nicht, denn die Deutsch-, Religion- und Erdkunde-Lehrerin brauchte nicht lange, um die Herzen der Schüler zu gewinnen und so für gute Stimmung im Klassenraum zu sorgen.

Neben dem Unterricht sind vor allem die Aktionen des Monats im Gedächtnis geblieben. "Frau Ebeling hat viel von ihrer Freizeit geopfert, um mit uns etwas zu unternehmen", lobt Ayse Korkmaz. "Sie hat sich immer etwas Besonderes überlegt. So sind wir nach einem Besuch im Nixdorf-Museum Squash spielen gegangen, weil Frau Ebeling ein besonderes Angebot gefunden hatte." Auch die Besuche in der Synagoge und einer Moschee sind in guter Erinnerung geblieben. "Sie haben aus 24 Schülern eine Person gemacht", lobt Korkmaz die Fähigkeit, eine besondere Atmosphäre zu schaffen.

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Schulleiter Guido Broziewski Blomenkamp betont Ebelings "Magisches Dreieck": Sie hat klare, aber keine starren Regeln, strahlt Herzenswärme aus und gibt den Schülern Freiräume, um den Unterricht mitzugestalten", spart der Chef nicht mit Komplimenten. Das Lob gibt die engagierte Lehrern sofort zurück: "Pädagogische Freiheit ist schön, sie muss aber auch bei den Schülern ankommen", sagt Ebeling. "Die 10b hat Kritik verstanden, zum Beispiel, wenn ich sie gefragt habe, was sie nach der Schule vorhaben, ob es einen Plan gibt. Sie haben verstanden, dass es um sie geht."

Seit 2002 ist die Lehrerin an der Realschule tätig. "Es war immer mein Traum, hier zu arbeiten, das war für mich das Nonplus-Ultra. Damals hatte ich mehrere Versetzungsanträge gestellt, bis es dann endlich geklappt hat." Eine Vorstellung von ihrem Traumberuf hatte die in Dünne aufgewachsene Ebeling bereits im Kindergarten. "Als wir uns entsprechend verkleiden sollten, haben die meisten anderen Kinder sich einen Arztkittel übergezogen. Ich habe mir dagegen die alte Brille von meiner Oma und eine Aktentasche genommen und bin als Lehrerin gegangen." Nach Studium und Referendariat dauerte es allerdings, ehe sie eine Anstellung fand. "Unter anderem habe ich Kurse auf Gut Bustedt gegeben, Guido Broziewski Blomenkamp war mein damaliger Zivi", erinnert sich Ebeling mit einem Lächeln. Später gab sie Förderunterricht für Spätaussiedler. "Die sprachen kein Deutsch und mussten koalphabetisiert werden."

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Die 1.000 Euro Preisgeld sollen für schulische Zwecke verwendet werden. "Da werden wir noch einmal drüber sprechen", kündigt Ebeling an. Den Aufenthalt in Berlin nutzte sie, um eine Studienfahrt vorzubereiten. "Ich habe mir die Ausstellung unter dem Stelenfeld angesehen, das war sehr beeindruckend."

(Text: NW, vom 20.1.18 von Björn Kenter / sowie ergänzt BRO)

Hier ein paar Eindrücke aus der Preisverleihung in Berlin:

Alle Preisträger:

1 Deutscher Lehrerpreis Gruppenbild

Vorne unten links - die ehemalige Klassensprecherin Ayse Korkmaz:

2 Ayse Preisverleihung

Hier alle Preisträger aus NRW (hinten Mitte Gisela Ebeling):

7 Preisträger aus NRW

Preisträger aus NRW, Sachsen und Thüringen:

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9 Preisträger NRW Sachsen Thüringen

(Bro)