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Hier Herr Thomas Seiffart (Mitte) und die Schülergruppe aus dem Biologie Wahlpflichtkurs 8 von Herrn Broziewski Blomenkamp.

Ein Mitarbeiter der BASF PharmaChemikalien GmbH & Co.KG aus Minden berichtete erstmals in der Realschule Bünde-Nord über das Thema „Alkoholmissbrauch im Beruf und in der Familie“. Die Schüler und Schülerinnen des Wahlpflichtkurses Biologie aus der achten Jahrgangsstufe erhielten dabei einen sehr detaillierten Einblick in das komplexe und zugleich heikle Themengebiet. Die entsprechenden Erfahrungsberichte des Mitarbeiters gestalteten den Unterricht realistisch, lehrreich und spannend zugleich.

Thomas Seiffart (betrieblicher Suchtkrankenhelfer und freigestellter Betriebsratsvorsitzender der BASF) hatte ein zweistündiges Programm schülergerecht ausgearbeitet. Dies natürlich auch vor dem Hintergrund, dass Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgangsstufe sehr oft gerade in diesem Alter ihre ersten intensiven Alkoholerfahrungen machen – im Durchschnitt nämlich mit 13,2 Jahren. „Diese Jugendlichen sind ein oder zwei Jahre später eventuell Auszubildende in diversen Betrieben. Bedenkt man weiterhin, dass 10% aller in Deutschland Beschäftigten alkoholabhängig sind, so wird deutlich, dass Handlungswissen zu diesem Thema nicht früh genug vermittelt werden kann“, so Seiffart.

Die Lerngruppe wurde zu Beginn mit nötigem Basiswissen konfrontiert: Wo findet man Alkohol im Alltag? Welche Trinkmotive existieren? Warum ist Alkohol ein „Wolf im Schafspelz“? Warum sind Alkopops ein Trick der Alkoholindustrie? Wie wird Alkohol vom Körper abgebaut? Die Abgrenzung von normalem, problematischem und abhängigem Trinken gelang Seiffart durch die als Suchtkrankenhelfer gemachten Erfahrungen besonders authentisch.

Danach wurden die Schüler mit den Folgen des Alkoholmissbrauchs von Mitarbeitern für ein Unternehmen konfrontiert, welche z.B. eine geminderte Arbeitsleistung (nur noch ca. 75%) und Arbeitsqualität, ein 16mal höherer Krankenstand sowie ein gestörtes Arbeitsklima sind. Ihnen wurde verständlich gemacht, warum bei der BASF ein generelles betriebliches Alkohol- und Suchtmittelverbot existiert, welche Pflichten für Mitarbeiter (z.B. Gefahrvermeidung) aber auch für Vorgesetzte (z.B. Verantwortung für Arbeitssicherheit) bestehen und welche rechtliche Konsequenz ein Suchtmittelmissbrauch für den Arbeitnehmer nach sich ziehen kann. Erstaunt zeigten sich die Schüler über eine Betriebsvereinbarung der BASF, welche durch einen 4-Stufen-Hilfeplan Mitarbeitern mit Alkoholproblemen „unter die Arme greift“, anstatt sie einfach zu entlassen.

Am betroffensten reagierten sie dagegen, als über die Auswirkungen von Alkoholmissbrauch auf die Familie gesprochen wurde. Hier überzeugte Thomas Seiffart durch erschütternde private und berufliche Erlebnisberichte. Die Schüler merkten schnell: Alkohol macht auch vor den eigenen vier Wänden nicht halt. Innerhalb dieser Phase outeten sich sogar einige Schülerinnen und berichteten über eigene Erlebnisse oder solche, die sie mit Ihren Bekannten oder Familienangehörigen gemacht hatten.

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Entsprechend positiv fiel dann auch das Urteil der Schüler über diese Veranstaltung aus. In einer anschließenden Befragung im Unterricht signalisierten 95% hohe Zufriedenheit. „Es zeigt sich damit, wie wichtig die Öffnung der Schule durch Einflechtung außerschulischer Experten für den Bildungsprozess junger Menschen ist“, so der 2.Konrektor und verantwortliche Biologielehrer Guido Broziewski Blomenkamp. „Dass wir neben den großen Firmen Hettich und Häcker nun auch die BASF in Minden zum Pool der mit uns kooperierenden Unternehmen zählen können, freut mich zusätzlich“, so Broziewski Blomenkamp weiter. Und das wohl auch vor dem Hintergrund, dass die BASF seit einigen Jahren auch immer wieder Schüler aus Bünde als Auszubildende einstellt.

(Bro)