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Gegen das Vergessen - Am Ehrenmal an der Hochstraße in Ennigloh fanden sich zahlreiche Bürger zur Gedenkfeier ein. Die Veranstaltung wurde von Schülern der Realschule Bünde-Nord maßgeblich gestaltet. Nach der Zäsur 2013 wegen Streitigkeiten um die Reichskriegsflagge hauchten die Realschule Bünde-Nord und Organisatoren der Gedenkveranstaltung wieder Lebendigkeit ein.

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Die Schülerinnen und Schüler Rene Kröger, Emma Schöbel, Maik Schwarz, Sanina Rinke, Mika Sewing, Lilly-Lotte Stratmann und Paula Buddenberg (Reihe hinten); Gisela Ebeling, Sven Kampeter und Wolfgang Koch (Reihe vorne).

Der Neustart einer größeren Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Bünde ist geglückt. Nach nur drei Wochen Vorbereitungszeit haben Organisator Sven Kampeter zusammen mit Lehrerin Gisela Ebeling und ihren sieben Schülerinnen und Schülern der Realschule Bünde-Nord der Gedenkveranstaltung eine besondere Note verliehen. Am Volkstrauer wird in Deutschland zwei Wochen vor dem ersten Advent traditionell der Opfer der Kriege und der aktuellen Gewalt gedacht. Die Anwesenheit und die Darbietung der Jugendlichen zeigten, dass Krieg und Unterdrückung ein ernstes Thema bei jungen Leuten ist. „An den Frieden kann man sich so gewöhnen, dass man ihn nicht mehr zu schätzten weiß“, sagte der Realschüler Mika Sewing.

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Gisela Ebeling brauchte nicht lang zu suchen, bis sie vier Schülerinnen und drei Schüler fand, die auch bereit waren, bei einer Gedenkveranstaltung vor anderen Menschen zu sprechen. „Diese sieben waren hochmotiviert.“ „Unser Frieden in Europa und der Welt steht auf wackeligen Füßen“, sagte Ebeling. „Und sobald die Erinnerung daran verschwunden ist, weiß niemand mehr, wie sehr die Menschen dabei gelitten haben.“ So sehen es auch die Zehntklässler, die am Sonntag bei der Gedenkveranstaltung auf eine besondere Weise an die großen Kriege der Vergangenheit erinnert haben. Sie haben die Dauer der militärischen Auseinandersetzungen in Stunden umgerechnet und die Zahl der Opfer ebenfalls. Das Ergebnis sind bedrückende Zahlen. So dauerte der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 insgesamt 5.328 Stunden, was bei 250.000 Gefallenen 47 pro Stunde ergibt. Im Ersten Weltkrieg waren es schon 267 Gefallene pro Stunde.

Und rechnet man im Zweiten Weltkrieg militärische und zivile Opfer zusammen, sind in jeder Stunde 1.045 Menschen durch den Krieg ums Leben gekommen. Daran zu erinnern, das sahen die Schüler als ihre Aufgabe an. „Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen. Und bald wird es gar keine mehr geben“, sagte Lilly Stratmann. Und Sanina Rinke ergänzte, „dass die Erinnerung an die Kriege nie verschwinden soll“. Emma Schöbel war beeindruckt von der Vorbereitung: „Man hat das zwar in Geschichte, aber so intensiv haben wir uns damit noch nicht auseinandergesetzt.“ Paula Buddenberg fand, dass man sich „besser mit der Vergangenheit identifizieren kann, wenn man selbst Teil einer solchen Veranstaltung ist. Maik Schwarz sagte: „Wenn immer mehr Menschen vergessen, wie schlimm die Kriege gewesen sind, kann das auch gefährlich sein.“

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So erinnerten die Schülerinnen und Schüler zudem an die Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs in der vergangenen Woche, aber auch an die Nazi-Demo in Bielefeld mit dem breiten Widerstand dagegen. „Wir wollen keinen Hass“, war die klare Aussage der Zehntklässler. In seiner Begrüßung hatte Sven Kampeter zuvor die Anwesenden gebeten, sich zwar intensiv zu erinnern, aber nicht zu vergessen, deutlich nach Vorne zu schauen. Er warnte vor einer Wiederholung der Geschichte und zitierte den Friedensnobelpreisträger Willy Brandt: „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“

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Bürgermeister Wolfgang Koch verwies auf die zentrale Gedenkstunde am Volkstrauertag im Plenarsaal des Deutschen Bundestags, wo der französische Präsident Emmanuel Macron und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gedenk- und Totenreden hielten. „Eine solche Veranstaltung wäre vor 70 Jahren völlig undenkbar gewesen. Als Deutsche leben wir seit Jahrzehnten in Frieden – das hat noch keine Generation vor uns geschafft“, sagte der Bürgermeister und mahnte das Mitgefühl für sinnlos gestorbene Kinder, Frauen, und Männer in aller Welt an. Im kommenden Jahr möchte Sven Kampeter die Gedenkveranstaltung in Ennigloh noch breiter gestalten.

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Bürgermeister Wolfgang Koch: „Ich finde das Engagement der Schüler und der Schule toll. Das macht mich sehr optimistisch, dass wir die Gedenkveranstaltung künftig wieder regelmäßig durchführen können.“ Im kommenden Jahr ist schon die Beteiligung der Gemeinde vorgesehen, so dass die Gedenkveranstaltung dann erneut wachsen soll.

Alle Besucher bekamen zum Abschluss der Feier noch liebevoll gestaltete Andenken mit nach Hause:

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(NW, vom 16.11. und 19.11.18 / BRO)