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Infoabend zum Thema “Herausforderung Pubertät“

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Bild: Mitte Herr Jörg Dahlbeck, ganz rechts Herr Carsten Franke (Fördervereinsvorsitzender), sowie einige der anwesenden Eltern.

Sweet little sixteen? Von wegen! Lisa ist zwar sechzehn, aber alles andere als süß. Sie ist eine launische Zicke mit Dickkopf und tausend null Böcken! Pubertät - das heißt für viele Familien auch: Streitigkeiten, Grenzüberschreitungen, Auseinandersetzungen, Provokationen, Wut und Tränen. Dazu kommt, dass die Pubertät der Kinder häufig mit der sogenannten zweiten Pubertät ihrer Eltern zusammentrifft. Auf beiden Seiten des Erziehungskampfgebietes kommt es zu einschneidenden körperlichen und geistigen Veränderungen. Eben zu diesen Themen hatte die Realschule Bünde-Nord sowie der Förderverein der Schule alle Eltern und Schülerinnen und Schüler herzlich eingeladen und dazu Herrn Jörg Dahlbeck (Coach, systemischer Berater, Sozialarbeiter mit 20 Jahre Erfahrung in Familientherapie, Autor, Musiker) als erfahrenen Moderator gewinnen können. Er nahm die Teilnehmer in seinem „Vortrag im Radiostil“ mit auf eine spannende „Reise in unbekannte Parallelwelten“, so Dahlbeck, der sich selbst als „zweitpubertierender Vater eines erstpubertierenden Sohnes“ bezeichnete.

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Wer wusste schon, dass das Gen „Kiss 1“ verantwortlich für den Start des Komplettumbaus des Gehirns ist, den alle Jugendlichen manchmal schon ab dem 9. oder 10. Lebensjahr durchlaufen. „Man weiß dann nie, wer morgens aus dem Zimmer tritt, ein Tiger oder ein Kuschelbär. Eltern müssen auf jedes Pubertier gefasst sein. Ab dann beginnt die soziale Loslösung von den Eltern und diese tun gut daran von Erziehung zu Beziehungsarbeit zu wechseln. Wie man was sagt, ist dann oft wichtiger, als das was man seinem Kind sagt.  Wertschätzende Kommunikation ist angesagt“, so Dahlbeck. „Der Reifeprozess schlaucht! Kinder brauchen daher gerade in dieser Phase Orientierung, welche Eltern geben müssen. Halten Eltern aber zu sehr am Kind fest, werden Kinder zu unsicheren Menschen erzogen. Die Kunst ist, immer ein bisschen mehr loszulassen“, ergänzt der Moderator, der seinen Vortrag immer wieder durch Einspielen einzelner Musikstücke auflockerte.

Der Vortrag war übrigens für die Eltern kostenfrei. Der Förderverein finanziert die Veranstaltung - trotzdem, wer wollte durfte ins "Spendenschwein" einzahlen.

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Natürlich stand auch die Frage im Vordergrund, wie Eltern mit den in dieser Zeit unumgänglichen Grenz- und Regelverstößen umgehen können. Hier hatte Herr Dahlbeck keine  Musterlösungen parat, aber einige gutgemeinte Ratschläge an die Eltern:

„Beziehen Sie klare Position. Verteidigen Sie Ihre Schmerzgrenze, verhandeln Sie also nur Regeln, die für Sie auch verhandelbar sind.

Interessieren Sie sich für die Jugendlichen und deren Lebenswelt, stellen Sie dabei offene und keine geschlossen Fragen.

Denken Sie daran, dass schlecht verpackte Ratschläge auch Schläge sein können.

Vertrauen Sie den Jugendlichen, vertrauen Sie aber auch darauf, dass diese innerhalb der Pubertät einige Male Bruchlandungen hinlegen.

Erliegen Sie nicht der Illusion, ihre Kinder vollständig kontrollieren zu können.

Scheuen Sie sich nicht, bei Problemen außerfamiliäre Hilfe in Anspruch zu nehmen (z.B. Schulsozialarbeit, etc.)“.

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Abschließend entwickelte sich noch ein sehr amüsantes Frage- und Antwortspiel, denn die Erziehungsberechtigten brachten real erlebte Problemfälle zum Besten. Sowohl Schulleiter Guido Broziewski Blomenkamp als auch Jörg Dahlbeck berieten die Eltern in dieser Phase anhand ihres beruflichen und familiären Erfahrungsschatzes.

(BRO)